Marseille – Die Renaissance der Hafenstadt
Shownotes
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00:00:05: Places to go.
00:00:10: Die älteste Stadt Frankreichs ist nicht Paris, sondern Marseille und Marseilles ist für mich eine der Entdeckungen des Sommers und deswegen gibt es heute bei uns im Podcast noch mal ne ordentliche Dosis.
00:00:21: Süden- und Mittelmeer in den kühlen Herbst.
00:00:24: Willkommen bei Places To Go dem Podcast von placi.travel.
00:00:28: Mein Name ist Katrin Sander
00:00:29: Und ich bin Inka Schmeling.
00:00:31: Marseill die Stadt die kennt ja vom Namen her jeder ganz besonders natürlich die Fußballfans.
00:00:37: Aber erstaunlich wenige wissen, dass Marseille neben Paris wirklich die einzige echte Metropole in Frankreich ist.
00:00:45: Die Stadt liegt am Mittelmeer hat knapp neunhunderttausend Einwohnerinnen und damit ist sie deutlich größer als die Städte, die im sehr zentralistischen Frankreich größenmäßig sonst noch danach kommen also Lyon, Toulouse, Nizza, die liegen alle nur so bei bei ungefähr fünfhundert tausend einwohnern.
00:01:03: Es gibt nicht nur im Fußball diese Rivalität Marseilles-Paris Weil Marseille auch für eine ganz andere Lebensart steht.
00:01:12: Also klar, Marseilles ist ne Hafenstadt, es laut und rau... Und
00:01:17: hat auch einen ganz eigenen Slang, nen ganz eigenen Dialekt.
00:01:20: Worte die ich in Paris gar nicht gibt zum Beispiel Fada Das is so'n Schlüsselwort hier T-Fader Okor das heißt soviel wie bist du durchgeknallt?
00:01:29: Immer schon ein bisschen rauer, war ganz lange ein echter Problemfall in Sachen Kriminalität.
00:01:34: Armut, soziale Ungleichheit und das ist auch heute nicht weg.
00:01:37: also die Stadt ist sehr gespalten.
00:01:39: Die reicheren Viertel liegen im Süden am Meer, die ärmeren er im Norden.
00:01:43: Aber
00:01:44: es hat sich hier was verändert Und der Wendepunkt war das Jahr zwanzig dreizehn.
00:01:49: Damals waren nämlich Marseille Kulturhauptstadt Und es wurde sehr viel investiert, vor allem wurde aber auch ein anderes Bild gezeichnet von der Stadt.
00:01:57: Das Selbstverständnis hat sich ein bisschen geändert.
00:01:59: also weg vom Image als boah alles schwierig gefährlich hin zu Kulturkreativität.
00:02:05: südlicher Lebensart
00:02:07: Ja und die Musik, die spielte dabei wirklich eine große Rolle.
00:02:10: Marseille ist die Hauptstadt des französischen Rap.
00:02:13: Der große Superstar hier ist Jules Jubilitou.
00:02:16: das war nur einer seiner Mega Hits.
00:02:24: Niemand in der französischen Musikgeschichte des Rap hat mehr Platten verkauft und unabhängig von seiner eigenen Karriere, hatte auch die Musikszene der ganzen Stadt nach vorne gebracht.
00:02:37: Ein Ort, an dem man dieses junge selbstbewusste laute Marseille erleben kann.
00:02:40: Das ist der Courjuilien oder kurz Courjoux.
00:02:43: Man könnte sagen das ist ein Szeniviertel aber eigentlich ist es fast ein zu kleines Wort dafür denn der Courjou der ist viel mehr.
00:02:50: hier war hundert Jahre lang bis in die neunzehntsiebziger der Großmarkt von Marseille und hier gibt es auch immer noch jeden Mittwoch den besten Markt der Stadt für Lebensmittel.
00:02:59: Und auch sonst kannst du hier ja ganz viel Zeit verbringen beim Shoppen, beim Bummeln, Vintage-Läden, Designer Labels, Plattenläden – das alles findest Du hier!
00:03:09: Cafés und Restaurants gibt's auch jede Menge.
00:03:12: Die Petonc-Fans spielen hier ihre Version von Bulle, der Cougis ist eine echte Street Art Gallery.
00:03:20: Graffiti prangen so gut wie an jeder Wand und vor allem an den Treppen!
00:03:24: Von den Treppens gibt es richtig viele in Marseille.
00:03:27: Warum das so ist?
00:03:28: Erklären wir mal mit einem kleinen Schwenk zurück in die Geschichte.
00:03:31: Wir haben sie am Anfang schon gesagt.
00:03:33: Marseilles ist richtig alt.
00:03:34: Die Griechen haben diese Stadt vor zwei tausend sechshundert Jahren.
00:03:38: ganz bewusst auf Anhöhen gegründet, weil sie eben diesen weiten Blick übers Meer haben wollten.
00:03:43: Und aus diesem antiken Marsilier da wurde Marseille und die Hüge sind geblieben!
00:03:47: Und heute gibt es eben etliche Treppen und auch steile enger Gassen, die ihr rauf-und runterführen.
00:03:52: Der Ort an dem die Griechen ihr Marsilia gegründe haben, den solltet ihr euch unbedingt noch anschauen.
00:03:58: Das Viertel heißt Le Panier vom alten Hafenlauf, der da gerade mal fünfzehn Minuten hin und ihr seid dann mitten in Marseilles Kreativviertel.
00:04:07: Die lange Geschichte von Marseille, die kann man hier sehr hautnah erleben.
00:04:10: Auf der Place de Lange hatten die Griechen einst ihre Agora und auch heute wird hier viel gehandelt.
00:04:17: Le Panier ist sehr hip.
00:04:19: Es gibt viele Ateliers, natürlich auch viele Touristinnen... Ja
00:04:22: und wenn man mal in die jüngere Vergangenheit guckt dann ist das ganz interessant denn vor hundert Jahren noch um neunzehundzwanzig da war le panier ein bitter armes quartier und im zweiten Weltkrieg versteckten sich hier viele Menschen der Resistenz also Widerstandskämpfer was dann dazu führte dass die deutschen Besatzer Anfang drei und vierzig tausend fünfhundert Gebäude hier einfach sprengen ließen und über dreißigtausend menschen aus ihren Häusern vertrieben.
00:04:46: Wenn man das im Hinterkopf hat, dann sieht dieser szenige Kreativ-Kiez von heute noch mal ein bisschen anders aus.
00:04:53: Im Panier da liegt auch einer der spannendsten Kulturorte der ganzen Stadt und zwar die Vieillescharité.
00:04:59: Heute sind hier gleich mehrere Museen untergebracht aber auch der Bau selbst, der lohnt sich wirklich.
00:05:05: Entworfen hat ihn der Marseille Pierre Puget und der war im siebzehnten Jahrhundert Frankreichs alles Könner des Barock.
00:05:13: Der Auftrag zur Vier Charité kam damals von der Regierung, denn die Stadt war arm.
00:05:19: Es gab viele Bettler und Obdachlose – dieser neue Bau hier sollte als königliches Armenhaus die Bedürftigen von der Straße holen!
00:05:28: Nach der französischen Revolution hat sich das dann geändert.
00:05:31: Erst wurde der Bau zum Hospiz für Kinder und Alte, später zog die Armee hier ein... Und irgendwann hat man dann die Wärtscharité sich selbst überlassen.
00:05:40: und dieser elegante rosa weiße Barockkomplex, der verfiel so langsam vor sich hin!
00:05:46: Es war ausgerechnet Le Corbusier, der neunzehntvierzig auf das Ensemble aufmerksam wurde ...und in Marseille richtig auf den Tisch haute.
00:05:54: eine Kampagne für die Rettungsstaatete Hat dann auch geklappt, die Stadt entschloss sich dazu.
00:06:00: Die Anlage vor dem totalen Verfall zu bewahren.
00:06:02: Hier wurde dann für zwanzig Jahre lang saniert und restauriert Und das Ergebnis ist eben jetzt einer der spannendsten Kunst- und Kulturorte im ganzen Land.
00:06:12: Man hat hier das Museum für mediterrane Archäologie.
00:06:15: Ihr könnt wechselnde Ausstellungen anschauen.
00:06:18: Richtig toll ist die ägyptische Sammlung Weil man dort den Exponaten wirklich unglaublich nahe kommt.
00:06:24: Also so nah wie ich es noch nie erlebt habe ist übrigens Frankreichs größte ägyptische Sammlung nach der Emluvre.
00:06:30: Womit wir ja wieder bei diesem besonderen Verhältnis Paris-Marseille werden.
00:06:34: und dafür gibt es noch ein Ort, das sehr bezeichnend ist – und zwar das Muzem!
00:06:40: Die Abkürzung steht für Museen der Zivilisation Europas und des Mittelmeers.
00:06:45: und wenn man vom Panier runter ans Meer geht dann sieht man schon von oben warum die Architekturszene dieses Museum wirklich feiert.
00:06:54: Der Architekt Rudy Ricciotti hat es als Kubus entworfen mit einer riesigen Fensterfront und vor allem aber mit so einem filigranen Netz aus schwarzem Beton.
00:07:05: Das Ganze sieht zu wissen aus wie ein Würfel, der von einer steinernen Spitze umhüllt ist.
00:07:11: Und hinter diesem modernen Bau da steckt ein echter Clou im Konkurrenzkampf mit Paris denn die Sammlung des Muzems stammt aus dem früheren Pariser Volkskundemuseum das hat es vorher noch nie gegeben, dass ein Nationalmuseum aus der Hauptstadt raus in die Region, also so nennt man ja in Frankreich alles was nicht Kapital ist verlegt wurde.
00:07:32: und für Marseille war das ein gigantischer Triumph damals.
00:07:36: Was dazu fast schon zu gut passt – Das Muzim besteht nicht nur aus diesem hypermodernen Würfel
00:07:42: sondern es gibt
00:07:43: auch eine hundertunddreißig Meter lange freischwebende Fußgängerbrücke rüber zum For Saint-Jean.
00:07:49: Das wurde ungefähr zur gleichen Zeit wie die Vier Charité gebaut, also auch unter Sonnenkönig Ludwig XIV.
00:07:56: Und der wollte damit aber nicht nur den Hafen verteidigen sondern auch die rebellische Marseilla-Bevölkerung in Schach halten und ausgerechnet dieses vor – das ist nun Teil des Museums dass man den Parisern abgenommen hat.
00:08:09: Also das wirkt ja schon so eine gewisse Ironie!
00:08:12: Ja und einen schönen Fun Fact haben wir noch zu Beziehungen Paris-Marseille.
00:08:15: Das hier kennt ihr alle?
00:08:25: Die französische Nationalhymne, genau die Marseilles.
00:08:29: Berühmt wurde sie im Land XVII, also zum Ende der franzöischen Revolution.
00:08:34: Damals sangen sie nämlich Soldaten aus Marseille nach Paris zogen.
00:08:38: Ja wobei man natürlich ehrlich sagen muss dass das Lied nicht ursprünglich aus Marsee stammt und damals auch nicht Marseillais hieß.
00:08:44: so haben es dann die Pariser genannt.
00:08:47: dennoch Dem Namen nach hat ausgerechnet das wilde, laute und leicht rebellische Marseille dem zentralistischen Frankreich sein größtes Symbol geschenkt.
00:08:57: Und damit sagen wir erst mal adieu zum Mittelmeer hier bei Places to Go!
00:09:02: Nächste Woche da geht's in den hohen Norden nach Oslo.
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