Matera – Kultur für die Höhlenstadt

Shownotes

Weitere Reisetipps aus der ganzen Welt findest du auf plazy.travel

Transkript anzeigen

00:00:05: Places to go.

00:00:10: Herzlich willkommen bei Places To Go, dem Podcast in dem wir euch ja immer unter zehn Minuten besondere Orte auf der ganzen Welt vorstellen!

00:00:19: Heute geht es um Matera – das ist eine Stadt ganz im Süden von Italien die in diesem Jahr so einer meiner persönlichen Lieblingsreiseüberraschung war.

00:00:30: Mein Name ist Inka Schmeling

00:00:31: und ich bin Katrin Sander und Places.

00:00:37: Dort könnt ihr euch für ganz verschiedene Reiseziele Tipps zusammenstellen lassen.

00:00:41: Euren ganz persönlichen Guide, außerdem gibt's Listicles und eben jede Menge Podcast-Episoden zu Reisezielen auf der ganzen Welt.

00:00:50: Heute ist Matera dran, Inga hat es gerade gesagt.

00:00:53: Matera liegt in der Region Basilicata Und das is die Ecke Italiens ganz im Süden quasi zwischen Stiefelspitze und Absatz.

00:01:01: Ja ich war jetzt im Mai da Eigentlich während einer Apulienreise, die ich mit meiner Mutter gemacht habe zu ihrem achtzigsten Geburtstag.

00:01:10: Matera liegt ja quasi direkt hinter der Grenze zur Apulian und ... Ich wollte diese Stadt irgendwie unbedingt sehen!

00:01:17: Und warum?

00:01:18: Da geht es jetzt hier bei Places to Go drum.

00:01:26: Materer ist die älteste Stadt in Italien und überhaupt eine der ältesten Städte auf der Welt Vor rund neun bis zehntausend Jahren, da sollen sich hier die ersten Menschen niedergelassen haben.

00:01:37: Das war noch in der Jungsteinzeit und diese Menschen, die haben hier erste Höhlen in den weichen Tuffstein geschlagen.

00:01:44: mit den Jahrhunderten wurden es dann immer mehr Höhle.

00:01:46: Und gerade im Mittelalter, da gab's so einen richtigen Höhenbauboom auch Kirchen wurden hier in den Fels gehauen.

00:01:55: Über hundertsechzig sind es inzwischen und oft haben die noch so ein schönes Portal vorne oder sogar einen Kirchturm noch vorne dran.

00:02:03: Das hat so ein bisschen was von, ja wie so Schwalbennester, die hier am Fels kleben.

00:02:08: also wirklich ein sehr einmaliges Setting.

00:02:11: und kein Wunder dass Matera auch im James Bond Film No Time to Die echt großen Auftritt hatte.

00:02:19: ganz am Anfang ist Daniel Craig jetzt zwanzig Minuten lang durch diese Gassen gekurft.

00:02:25: So richtig schön leben, ließ es sich irgendwann nicht mehr in diesen Höhlen.

00:02:30: Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, zu neunzigfünfziger Jahre, da wohnten fünfzehntausend bis siebzehnteusend Menschen hier noch in diesen echt dunklen feuchten Grotten und das auf sehr engem Raum zum Teil zusammen mit Eseln, mit Hühnern, Schweinen.

00:02:44: Es gab keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Kanalisationen.

00:02:49: Die Kindersterblichkeit in Matera lag bei vierzig Prozent.

00:02:54: Der damalige italienische Ministerpräsident, der hat die Stadt neunzehntfünfzig als nationale Schande bezeichnet.

00:03:01: Zwei Jahre später wurden dann die Höhlen gesperrt und man hat alle Menschen unter Zwang umgesiedelt in moderne Plattenbausiedlungen am Stadtrand.

00:03:09: Ja dazu muss man wissen Matera hat wirklich so verschiedene Schichten also vielleicht ein bisschen wie bei einer mehrstöckigen Torte ganz unten im Tal da fließt der Fluss Gravina.

00:03:20: das ist Heute eher ein kleiner Bach, aber gerade nach den Eiszeiten.

00:03:24: Da muss das ein kräftiger Strom gewesen sein der sich immer tiefer durch die Kreidefelsen gegraben hat.

00:03:31: daher heute diese Schlucht.

00:03:33: auf beiden Seiten geht es ziemlich steil hoch gute hundert Meter und in die Felswand.

00:03:38: auf der einen Seite der Schlucht da wurden eben die Höhlen geschlagen.

00:03:43: ganz oben da gibt's noch so eine Art ja felskrone.

00:03:46: was

00:03:46: ist dann sowas wie die Kirsche auf dieser mehrstückigen Torte?

00:03:49: Ja

00:03:49: sozusagen Das ist die Oberstadt oder auch Civita genannt.

00:03:54: Die ist vor allem im dreizehnten Jahrhundert entstanden, da ließ sich zum Beispiel der Stauferkaiser Friedrich II den Dom bauen und Adlige errichteten hier ihre Paläste.

00:04:03: Ja, die wollten nämlich offensichtlich nicht in den Höhlen unten wohnen, so werden diese Höhleviertel auch genannt vom lateinischen Wort Saxa, also Fels- oder Gestein abgeleitet.

00:04:14: Und dann gibt es in dieser Ebene zwischen den Sassi und der Civita ganz oben Auch noch so ein Plateau daneben, das Piano.

00:04:23: Und auf diesem Piano wiederum da hat sich dann Materas Ottvolley im XV bis XVIII Jahrhundert also zu Zeiten von Renaissance und Baroque ihre Palazie bauen lassen.

00:04:34: Wenn man sich jetzt noch die moderne Stadt dazu denkt – also die mit den Plattenbauten aus den Neunzeltfünfzigerjahren – dann haben wir im Grunde in Matera vier Städte in einer.

00:04:43: Das ist ein echt wildes Durcheinander der Epochen hier!

00:04:46: Ja und eigentlich finde ich, ist es genau das was die Stadt so besonders macht.

00:04:51: Aber tatsächlich sah ja dann in den neunzehnhundertfünfzigern nach dieser Zwangsräumung erstmal alles danach aus als würden dieses Sassi hier komplett dicht gemacht werden und das ganze Leben würde sich von nun an oben in der Chevita auf dem Piano in dieser modernen Stadt abspielen.

00:05:09: Die Sassi, die hatten ja dann nach dieser Zwangsräumung fast was von so einer Geisterwelt.

00:05:14: Also sie standen leer viele waren vernagelt.

00:05:17: aber es gab schon ziemlich früh, schon Ende der neunzehnhundertfünfziger eine Gruppe junger Intellektueller aus Matera,

00:05:24: die

00:05:25: in diesen Sassie eben nicht bloß die die Elendsquartiere sahen sondern eher so eine Art Vermächtnis.

00:05:33: Und die haben jahrelang dann hier dieses Höhlensystem erforscht, haben es fotografiert, kartografiert – zum Teil wurden sie von ihren Familien sogar als Höhlennenschen verspottet!

00:05:45: Aber dann haben Sie in neunzehnhundertsechsen sechzig ein Buch veröffentlicht vor allem über die Felskirchen und ihre zum Teil ja wirklich super wertvollen Fresken.

00:05:55: Und plötzlich hat sich die Stimmung im Land wieder so'n bisschen gedreht...

00:05:57: Der aus der nationalen Schande wurde dann ein Kunstwerk und zwar eines, das so eine Sogwirkung entfaltet hat.

00:06:04: Die Kreativen kamen internationale Regisseure wie Pierre Paolo Pasolini, der hat dann Matera als außergewöhnliche Kulisse genutzt und in den Siebzigerjahren kamen dann Künstlerinnen und Künstlern, Hippies, Aussteiger also diese Höhlen.

00:06:19: mit denen feierte Matera irgendwie einen Comeback.

00:06:22: In den Achtzigern wurden die Höhle saniert Und am Ende des

00:06:34: Jahrhunderts, und in den letzten Jahren, hat sich die Höhlen zu erkunden und dadurch auch letztlich gerettet haben.

00:06:51: Mehr als dreitausend Höhlen gibt es in Matera und ein Großteil von denen ist heute eben umgewitmet zu Butikote, Zferienwohnungen, Restaurants, kleinen Shops.

00:07:01: Also das ist da wirklich eine ganz besondere Stadt, in die jedes Jahr auch sechshunderttausend bis achthundertausend Besucherinnen kommen.

00:07:10: Ein Geheimtipp ist Matera jetzt nicht mehr.

00:07:13: aber Inga du hast es ja am Anfang schon gesagt für dich war Matera ja ne echte Überraschung.

00:07:18: warum eigentlich?

00:07:18: Was hatte ich so überrascht hier?

00:07:20: Ja, ich finde zum einen... also wir haben uns jetzt bemüht das zu beschreiben.

00:07:23: Aber wenn man wirklich da steht, ne?

00:07:26: Wenn man zum ersten Mal in Matera ist und von einem dieser Aussichtspunkte auf die Schlucht, auf diese Sassi schaut Das ist irgendwie... Ich weiß nicht, es ist ein irrer Anblick, das kann man kaum beschreiben.

00:07:39: Es hat was sehr Archages.

00:07:42: Also man hatte das Gefühl eben alle Epochen auf einen Schlag zu sehen, wirklich von der Steinzeit bis in die Gegenwart.

00:07:50: was ich gleichzeitig mindestens genauso beeindruckend fand, dass es hier wirklich irre viel Kultur gibt und das in der Stadt mit ja gerade mal sechzigtausend Einwohnerinnen ist ja gar nicht so groß.

00:08:01: Aber ständig gibt's hier irgendwo eine neue Ausstellung, ein Musikfestival, ne Designmesse.

00:08:06: also das vibriert hier grade nur von Kultur und die wird ja auch vor einem besonders spannenden Kontrast gezeigt.

00:08:15: Also ich fand es zum Beispiel im Museum für zeitgenössische Skulpturen, in Musmar.

00:08:20: Da gibt's sieben Höhlen, davor noch ein Palazzo und da drin sind dann spannende Skulptur oder auch Lichtinstallationen zu sehen von den Neunzehntenhundertsechzigern bis in die Gegenwart.

00:08:32: Und wenn man sich so eine Skulpture, so ne Zeitgenößliche vor diesem Höheln-Hintergrund vorstellt das knallt so richtig!

00:08:42: Ja und gut Essen kann man natürlich auch hier in Italien, Süden.

00:08:44: Die Basilicata ist ja bekannt für ihre echt herzhafte Pasta-Küche aber auch für gutes Brot.

00:08:50: der Süden, Italien das ist ja die Kornkammer des Landes.

00:08:54: Ja wobei man hört ja schon Pasta, Brot, das ist eher nicht so die feine Skiküche hier sondern so eine ganz ehrliche Cucina porvara nennt man das hier also so ne traditionelle Bauern-und Hirtenküche Die satt macht und von der man auch immer gleich einen großen Topf für die ganze Familie aufsetzt.

00:09:13: Also irgendwie so richtiges Soul Food!

00:09:17: Und von der ältesten Stadt Italiens gehen wir nächste Woche in die älteste Stadt Frankreich, die sehr jung, sehr bunt, sehr lautes Marseille war meine persönliche Lieblingsstadt im Jahr in den nächsten Freitag vor hier bei Places to Go hört gerne rein.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.